Der Hundeführerschein

Allgemeines zum Hundeführerschein

 

Hunde sieht man überall. Sie sind die treuen Begleiter des Menschen. Allerdings wird nicht selten beobachtet, dass viele Halter mit ihrem Hund nicht umgehen können. Teilweise stellen die Tiere sogar eine Gefahr für andere Menschen dar. Aus Sicht des Hundes ist dies verständlich. Schließlich ist er von Natur aus ein Rudeltier. Der junge Hund fühlt sich beim Menschen sicher und findet Nahrung. Aus diesem Grund nimmt er ihn zunächst als Rudelführer an. Allerdings stellen Hunde beim Erwachsenwerden die Rangfolge in der Familie infrage, was vor allem bei Rüden der Fall ist. Oft werden Befehle nicht ausgeführt, die Konfrontation mit Familienmitgliedern wird gesucht, gerade mit denen, die er als schwach ansieht. Geschieht dies, muss er klar in seine Schranken gewiesen werden. Erst dann wird er die ihm zugewiesene Position akzeptieren. Ein Hundeführerschein hilft dabei.

 

Ein Hundeführerschein soll festhalten, dass der Hundehalter seinen Hund unter Kontrolle hat. Im Grunde genommen ähnelt der Hundeführerschein einem Fahrzeugführerschein. Um in den Besitz eines Hundeführerscheins zu kommen, werden vom Hundehalter bestimmte Erziehungsmaßnahmen ergriffen. In einer praktischen Prüfung wird dann gezeigt, ob der Hundehalter seinen Hund unter Kontrolle hat. In einer theoretischen Prüfung werden Kenntnisse zu grundlegenden Verhaltensweisen und Hundeerziehung abgefragt.

 

Der Gedanke, der hinter einem Hundeführerschein steckt, ist der, dass Hunde von ihren Besitzern verantwortungsvoll und artgerecht behandelt werden. Der Führerschein soll sicherstellen, dass Hunde keine Gefahr für Menschen und Artgenossen darstellen. Dies vor allem im Hinblick auf den richtigen Umgang mit Hunderassen, die als gefährlich eingestuft sind. Eventuell könnten mit dem Hundeführerschein sogenannte Rasselisten überflüssig werden. Denn diese Listen sind umstritten, da sie bestimmte Hunderassen pauschal kriminalisieren.

 

In Niedersachsen ist der Hundeführerschein Pflichtsache

 

In Niedersachsen ist der Hundeführerschein Pflicht. Seit Juli 2013 bereits besteht diese Pflicht. Das Bundesland ist diesbezüglich Vorreiter, das Ersthundebesitzern das Führen des Hundeführerscheins vorschreibt. Dabei ist die Hunderasse nicht relevant, wenn es darum geht, wer den Hundeführerschein machen muss. Wer beabsichtigt, sich einen Hund anzuschaffen, kann den theoretischen Teil der Prüfung ablegen, bevor der Hund da ist. Die praktische Prüfung erfolgt später, sobald der Hund alt genug dafür ist. Kritik wird in Niedersachsen allerdings laut wegen der mit dem Hundeführerschein verbundenen Kosten. Denn der Hundebesitzer muss für beide Prüfungen jeweils mindestens 40 Euro bezahlen. Die jeweilige Prüfstelle bestimmt, wie hoch die Kosten tatsächlich sind. Das heißt, in Niedersachsen lohnt es sich, die Preise zu vergleichen.

 

Außerhalb von Niedersachsen liegt es im Ermessen jedes einzelnen Hundebesitzers, ob er den Hundeführerschein machen möchte. Möglichkeiten dazu gibt beispielsweise vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH), vom Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen (BHV. Diese bieten Seminare, Vorbereitungskurse sowie Prüfungen an. Es besteht zwar keine Hundeführerscheinpflicht, dennoch kommen die Führerscheine Hundehaltern und selbstverständlich auch den Hunden im täglichen Umgang miteinander zugute.

 

Was beinhaltet der Hundeführerschein?

 

Der Hundeführerschein des VDH als Beispiel beinhaltet die folgenden Bereiche: Sachkunde des Hundehalters, Gehorsam des Hundes und Sozialverträglichkeit des Hundes.

 

Die Sachkunde des Hundehalters beinhaltet Vorbereitungskurse, die den Teilnehmern umfangreiches Wissen über Hunde und Hundehaltung vermitteln. Dem Hundehalter werden Lernunterlagen für das Selbststudium ausgehändigt. Daneben wird der Lernstoff in Unterrichtsstunden vermittelt und vertieft. Umfangreiches Fachwissen steht bei den Vorbereitungskursen nicht im Vordergrund. Es geht eher um die Vermittlung von theoretischen Grundkenntnissen zur Haltung, den Umgang und die Ausbildung von Hunden. Das angeeignete Wissen wird am Ende des Kurses in einer schriftlichen Sachkundeprüfung abgefragt.

 

Der Bereich Gehorsam des Hundes beinhaltet Grundübungen, die mit dem Hund erarbeitet werden. Hunde müssen eine Grundausbildung haben, jederzeit durch den Hundeführer kontrollierbar, gehorsam und erzogen sein. Unter fachmännischer Anleitung bildet der Hundehalter seinen Hund aus. Im Vordergrund der Ausbildung steht die Erarbeitung einer engen und vertrauensvollen Bindung zwischen Hund und Hundehalter. Dies führt dazu, dass der Hundehalter jederzeit in der Lage ist, seinen Hund zu kontrollieren. Der Gehorsam des Hundes wird innerhalb einer Prüfung bewertet.

 

Im Bereich Sozialverträglichkeit des Hundes steht ein angemessenes und rücksichtsvolles Auftreten des Hundehalters mit seinem Hund in der Öffentlichkeit im Vordergrund. Auch auf Situationen im Alltag wird Wert gelegt. Hier soll sich der Hund friedlich und sozialverträglich zeigen. Er darf nicht aggressiv reagieren trotz großer Ablenkung und Belastung. Der Hundeführer muss in der Lage sein, seinen Hund jederzeit zu beherrschen beziehungsweise zu kontrollieren. Dieser Bereich hat innerhalb der Prüfung zum Hundeführerschein eine große Bedeutung. Denn unkontrollierbare, aggressive oder minder frustrations- und stresslose Hunde können die Prüfung nicht bestehen.

 

Die Übungen sind für Hunde anstrengend, jedoch sinnvoll. Wesentliche Teile eines Verhaltens- oder Wesenstests sind dadurch abgedeckt. Große Defizite im Sozialverhalten des Hundes und auch eine übersteigerte Aggressivität können im Allgemeinen nicht in einem Vorbereitungskurses kompensiert werden. Die Sozialverträglichkeit des Hundes wird durch neutrale Prüfer geprüft.

 

Theorie und Praxis

 

Bei der theoretischen Prüfung müssen 40 allgemeine und spezifische Fragen rund um das Thema Hund, dessen Haltung und Erziehung beantwortet werden, wobei drei falsche Antworten toleriert werden. Nach der theoretischen Prüfung erfolgt wenig später die praktische Prüfung, die gemeinsam mit dem Hund absolviert wird. Als gefährlich geltende Hunde, die sogenannten Listenhunde, oder solche von Rasselisten, müssen zusätzlich auch einen Wesenstest absolvieren. Dies ist allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden. Zuständig für Durchführung und Abnahme ist das Ordnungsamt, das mit der Tierärztekammer zusammen arbeitet.

 

Auch wenn der Wunsch gehegt wird, flächendeckend Hundehalter zu einem solchen Hundeführerschein zu bewegen, so wird dies in der Praxis wohl kaum durchführbar sein. Derzeit sind nur wenige Tierärzte und Behörden in der Lage, die Prüfung für den Hundeführerschein abzunehmen. Hinzu kommt, dass ein Großteil aller Hunde aus Kostengründen steuerlich nicht geführt wird. Dies sollte sich ein Hundehalter allerdings gut überlegen, denn wird dies aufgedeckt, sind empfindliche Strafen die Folge. In Großstädten prüft die sogenannte „Hundepolizei“, ob auch wirklich jeder Hundehalter die Hundesteuer zahlt.

 

Derzeit beschränkt sich die Verpflichtung zum Hundeführerschein nur auf Hunde, die als gefährlich eingestuft werden. Auch diejenigen Tiere, die bereits negativ auffällig wurden, müssen die Hundeführer-Prüfung mit Wesenstest absolvieren. Prinzipiell kann jeder Hundehalter freiwillig den Hundeführerschein machen. Auf diese Weise wird ihm ermöglicht, seine Fähigkeiten als Hundehalter unter Beweis zu stellen. Wo man den Hundeführerschein vor Ort machen kann, weiß der Tierarzt. Im Onlineshop von Schecker erhält der Hundebesitzer neben vielen nützlichen Informationen alles, was den Vierbeiner glücklich macht.