Hunde & Gefühle – Teil 1 Mimik bei Hunden

Mimik bei HundenWachgerüttelt hat uns Jean Donaldson 1996 mit ihrem Buch „Hunde sind anders“. Ihre Botschaft war, dass wir alle im Sinne eines missverständnisfreien Miteinanders endlich tierische Verhaltensweisen nicht vermenschlichen sollten. Dazu gehörte Donaldson’s Ansatz: Der Hund ist ein Tier mit nur einfachen Denkweisen und Basis-Gefühlen – ohne schlechtes Gewissen, ohne Sinn für richtig und falsch, ohne Verständnis für unser zähnezeigendes Lächeln.

 

Das stimmt heute nicht mehr so ganz. Denn: Inzwischen gibt es einen Zweig in der Verhaltensforschung, der hündische Verhaltensweisen in Bezug auf Gefühle untersucht. Damit beschäftigt sich Dorit Feddersen-Petersen, Verhaltensforscherin am Kieler Institut für Haustierkunde, ebenso wie Harvard-Anthroplogin Juliane Kaminski. Sie sagt: „Der Hund kann Dinge, von denen man lange geglaubt hat, dass nur Menschen sie beherrschen. Kein Lebewesen versteht es so gut wie der Hund, Mimik und Gestik des Menschen zu lesen.“

 

Schaut man auf die verschiedenen Erkenntnisse der Forscher, belegen ihre Ergebnisse, was wir Hundebesitzer längst gespürt und erlebt haben: Unsere Lieblingstiere haben eine sehr differenzierte Wahrnehmung ihres Gegenübers und durchaus differenzierte Gefühle.

 

Ein Beispiel: das Lächeln

 

Obwohl das Zähnezeigen unter Hunden eine Drohgebärde ist, haben die Hunde erkannt, dass wir Zweibeiner unsere Zähne in bester Absicht zeigen – eben für den Ausdruck eines positiven Gefühls. Diese Mimik-Variante haben Hunde inzwischen sogar in ihr Verhaltensrepertoire übernommen. Feddersen-Petersen beschreibt es so: „Der Hund zieht die Oberlippe mehrfach hoch, dass Schneide- und Eckzähne zu sehen sind, zugleich werden die Mundwinkel leicht angehoben.“

 

Nicht jeder Hund und nicht alle Rassen zeigen ein Lächeln deutlich, doch es ist unbestritten: Hunde verstehen es richtig und sie können das Lächeln selbst korrekt einsetzen, wenn sie mit einem Menschen zusammen sind und sich freuen.

 

Eine weitere Studie des „Clever Dog Lab“ der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat 2015 ergeben, dass Hunde offenbar noch genauer in Menschengesichtern lesen können. Bei wissenschaftlichen Tests haben die Hunde auf Fotos von Gesichtern erkannt, dass ein lachender Mund dasselbe bedeutet wie lachende Augen oder ein wütender Mund das gleiche wie wütende Augen.

 

Von je her sind Hunde, wie Wölfe auch, hochsoziale Wesen. Und da wir Menschen die wichtigsten Bezugspartner für sie geworden sind, haben sich unsere vierbeinigen Freunde zu echten Menschenexperten entwickelt. Das ist die beste Motivation, um ihr Verhalten ebenfalls besser kennenzulernen, um es wirklich missverständnisfrei zu verstehen.

 

Mimik: „Da kann Ihr Hund nur lächeln…“

von Christiane Blenski