Hunde & Gefühle Teil 2 – Gerechtigkeit

Hunde & Gefühle - Gerechtigkeit„Das versteht dein Hund doch gar nicht“, ist ein Satz, der oft fällt, wenn Besitzer viel mit ihren Tieren plaudern. Aber, oh Wunder, Hunde verstehen mehr als gedacht. Als absolute Kenner ihrer Menschen haben sie Sätze wie: „Jetzt sei so lieb, Max, leg dich bitte da hinten brav in dein Körbchen und schlaf!“ durch den Klang der Stimme, durch wiederkehrende Situationen und die menschliche Gestik längst mit einem bestimmten Verhalten verknüpft. Also geht Max ins Körbchen und legt sich hin. Unsere Lieblingstiere verfügen eben über eine sehr differenzierte Wahrnehmung des menschlichen Gegenübers und durchaus über ein reiches Gefühlsleben.

 

Ein Beispiel: die Ungerechtigkeit

 

Zum Glück wird inzwischen über Hunde und Gefühle viel geforscht. Ein Projekt der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt beispielsweise: Hunde merken, wenn sie ungerecht behandelt werden. Das heißt, bekamen sie als Belohnung mehrfach ein weniger schmackhaftes Leckerli als der andere Hund, verweigerten sie die Zusammenarbeit. Spannend ist, dass Wölfe das gleiche Verhalten an den Tag legen.

 

Zudem haben Christine Harris und Caroline Prouvost 2014 für eine Studie zu hündischer Eifersucht das Verhalten von 36 Rüden und Hündinnen untersucht. Dabei schenkten die Menschen im Beisein ihrer Hunde einer Hundeattrappe (einem Kürbiskopf) intensive Aufmerksamkeit, während sie ihre Tiere ignorierten. Das Ergebnis war eindeutig: Eifersüchtiges Verhalten wie Beißen oder Drohen, Anstupsen des Tierhalters oder das Wegschieben des „Rivalen“ erfolgten in 70 bis 80 Prozent der Fälle.

 

Eifersucht und der Sinn für Ungerechtigkeit könnten aus den ersten Lebenswochen des Wolfes oder Hundes stammen. Die eifersüchtigen Verhaltensweisen wecken die Aufmerksamkeit des Muttertieres und das eifersüchtige Jungtier wird besser versorgt. Eifersucht könnte auch Teil der Fortpflanzungsstrategie sein, um Rivalen von einem Sexualpartner fern zu halten.

 

So oder so, Hunde erkennen Ungerechtigkeit und empfinden Eifersucht. Mit diesem Wissen im Kopf, können wir alle für weniger Hund-Mensch-Missverständnisse sorgen. Gerade bei Eifersucht kann man aktiv in seiner Erziehung gegensteuern, z.B. bevor ein Baby kommt. Schafft man das nicht alleine, trainiert man mit einem Experten. Denn: Eifersucht oder auch das Verteidigen von Familienmitgliedern ist nicht „niedlich“. Statt eifersüchtige Beißangriffe zu riskieren, kann man durch Erziehung und auch durch bewusst gerechtes Tun unerwünschtes Verhalten vermeiden.

 

Gerechtigkeit: „Mensch, das ist unfair!“

von Christiane Blenski